Herausforderungen und Chancen für die Zukunft der Erwachsenenbildung
Sonja Lengauer
Die Zukunft der Erwachsenenbildung wird von einer Vielzahl gesellschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Trends geprägt. Vier zentrale Entwicklungen:
1. Digitale Transformation und Technologieintegration
Herausforderung
Die digitale Transformation stellt eine bedeutende Herausforderung für die Erwachsenenbildung dar. Für die Einrichtungen der Erwachsenenbildung erfordert sie eine kontinuierliche Weiterentwicklung, um digitale Lernplattformen, Tools und Infrastruktur zu integrieren. Traditionelle Bildungseinrichtungen sind gefordert, sich am Bildungsmarkt neben den bereits entstandenen und laufend entstehenden digitalen, internationalen Bildungsanbietern erfolgreich zu positionieren. Darüber hinaus bedarf es auch einer kontinuierlichen Erweiterung der inhaltlichen Portfolios, zum Beispiel um die Themen Künstliche Intelligenz, Big Data oder Datenanalyse.
Trainer:innen und Lehrende sind gefordert, digitale Kompetenzen zu entwickeln, um erfolgreich mit modernen Lerntechnologien zu arbeiten. Zusätzlich erfordern neue Lernsettings auch eine Änderung der Didaktik, Lehrende sind nicht mehr nur aufgrund ihrer inhaltlichen Kompetenz gefragt, sondern agieren auch als Lerncoaches. Von den Lernenden verlangt die Digitalisierung Kompetenzen im Umgang mit Technologie sowie Selbstorganisation, wenn Lernprozesse flexibler und individualisierter gestaltet werden.
Chance
Die Digitalisierung bietet enorme Chancen. Dank E-Learning-Plattformen, Webinaren und Online-Kursen wird Lernen flexibler und zugänglicher. Menschen können unabhängig von ihrem Standort oder ihren zeitlichen Verpflichtungen auf hochwertige Bildungsangebote zugreifen. Dies fördert lebenslanges Lernen und ermöglicht es Erwachsenen, ihre Fähigkeiten kontinuierlich zu verbessern, ohne physisch in Schulungsräume gehen zu müssen. Die neuen Angebote eröffnen neue, digitale Geschäftsmodelle für Bildungseinrichtungen, digitale Produkte können 24/7 zeit- und ortsunabhängig verkauft werden.
Vgl. WIFI: Jahresbericht 2023. https://www.wifi.at/uploads/WIFI-JB_2023_A4_v08-Screen.pdf
Vgl. mmb Learning Delphi 2023/2024, mmb-Trendmonitor_2023-2024.pdf (mmb-institut.de)
2. Individualisierung und Personalisierung
Herausforderung
Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Bildungsangebote stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden zuzuschneiden. Die Nachfrage nach flexiblen Lernlösungen, die sich an den persönlichen beruflichen Zielen und Lernpräferenzen orientieren, wächst. Lernende haben unterschiedliche Hintergründe, Kompetenzen und Lernstile, was bedeutet, dass Bildungseinrichtungen in der Lage sein müssen, diese Vielfalt zu berücksichtigen.
Chance
Der Trend zur Individualisierung bietet der Erwachsenenbildung vielfältige Chancen, da er den Lernenden ermöglicht, ihre Bildungswege flexibler und bedarfsgerechter zu gestalten. Durch personalisierte Lerninhalte und -formate können individuelle Interessen, Lernziele und Lebenssituationen stärker berücksichtigt werden, was die Motivation und den Lernerfolg steigern kann. Dadurch wiederum können Kund:innen näher an Bildungsanbieter gebunden werden – Bildungsprogramme sind noch weniger als bisher austauschbar.
Vgl. WIFI: Jahresbericht 2023. https://www.wifi.at/uploads/WIFI-JB_2023_A4_v08-Screen.pdf
3. Demografischer Wandel
Herausforderung
Der demografische Wandel in Europa und Österreich, insbesondere die alternde Bevölkerung stellt die Erwachsenenbildung vor besondere Herausforderungen. Ältere Arbeitnehmer:innen werden länger im Berufsleben bleiben (müssen), und die Notwendigkeit, lebenslang zu lernen, um den sich ständig ändernden Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden, wird immer dringlicher (Upskilling und Reskilling). Die Qualifizierung und Umschulung älterer Arbeitnehmer wird eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Zukunft Österreichs darstellen.
Gleichzeitig müssen auch die Ansprüche junger Erwachsener adäquat einbezogen werden, deren Lerngewohnheiten sich stark von denen älterer Generationen unterscheiden. Der Generationenmix in Kursen erfordert innovative didaktische Ansätze, um das Lernen für alle Altersgruppen gleichermaßen zugänglich und attraktiv zu gestalten.
Chance
Der demografische Wandel bietet der Erwachsenenbildung zahlreiche Chancen. Mit einer älter werdenden Bevölkerung wächst der Bedarf an lebenslangem Lernen, insbesondere zur beruflichen und gesellschaftlichen Teilhabe älterer Menschen. Bildungseinrichtungen können durch maßgeschneiderte Programme für ältere Lernende neue Zielgruppen erschließen. Der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen bietet zudem wertvolle Lernmöglichkeiten für alle Altersgruppen.
Vgl. Bock-Schappelwein, Julia (2024): Berufliche Weiterbildung in einer sich wandelnden Arbeitswelt; Magazin Erwachsenenbildung; https://erwachsenenbildung.at/magazin/24-51/04_thema_bock-schappelwein.pdf; Alteneder, Wolfgang (2023): Der österreichische Arbeitsmarkt im Licht der demographischen Entwicklung. AMS info 585; https://ams-forschungsnetzwerk.at/downloadpub/AMS_info_585
Vgl. WKO: Zukunftsbild 2025, https://www.wko.at/pages/wko-zukunftsbild-2025/zukunftsbild-broschuere.pdf
4. Nachhaltigkeit & Green Skills
Herausforderung
Die Förderung von Nachhaltigkeit und Green Skills in der Erwachsenenbildung stellt eine zentrale Herausforderung dar, um auf die globalen Umweltprobleme zu reagieren. Bildungseinrichtungen in Österreich sind gefordert, Programme zu entwickeln, die nachhaltige Denk- und Verhaltensweisen sowie umweltfreundliche Kompetenzen (Green Skills) vermitteln, um wiederum Arbeitnehmer:innen für entstehende Berufe zu qualifizieren. Dabei geht es auch um die Sensibilisierung für nachhaltige Lebensstile in Bereichen wie Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung. Gleichzeitig müssen Organisationen sicherstellen, dass die Bildungsangebote selbst ökologisch nachhaltig gestaltet sind, beispielsweise durch die Reduktion von Papierverbrauch und umweltfreundliche Lerntechnologien.
Chance
Das Thema Nachhaltigkeit und Green Skills bietet der Erwachsenenbildung, die Chance innovative, zukunftsorientierte Programme zu entwickeln, die auf die wachsende Nachfrage nach umweltfreundlichen Kompetenzen reagieren. Dies schafft neue Lerninhalte und spricht neue Zielgruppen an, insbesondere in Branchen wie erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft und nachhaltigem Bauen. Green Skills eröffnen zudem Arbeitsmarktperspektiven für Lernende, da Unternehmen verstärkt nachhaltige Praktiken integrieren und entsprechende Fachkräfte benötigen. Für Organisationen bietet sich die Möglichkeit, ihre Bildungsangebote selbst nachhaltiger zu gestalten, was zu einem positiven Image und Wettbewerbsvorteil führen kann.
Vgl. WKO: Zukunftsbild 2025, https://www.wko.at/pages/wko-zukunftsbild-2025/zukunftsbild-broschuere.pdf;
WKO – Green Skills, Green Skills - WKO.